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Wege…

… mehrere zugleich versuche ich gerade zu bewältigen. Die Fortschritte sind recht unterschiedlich.

Nach der Prüfungswoche am LAZBW in Wangen im Allgäu glaube ich gute Aussichten zu haben die erste transidente, staatlich geprüfte Fachagrarwirtin für handwerkliche Milchverarbeitung zu werden. Ist aber noch ein Stück zu laufen bis zum letzten Teil der Prüfung. Am Ende ist so oder so alles Käse. 😉🤡

Damit das ganze im Dezember auch richtig funktioniert und meine Urkunde den korrekten Namen aufweist, habe ich den ersten Schritt auf dem Weg zur amtlichen Vornamensänderung gemacht und den Antrag bei Gericht gestellt. Jetzt durchlaufe ich ein Verfahren in dem ich nach 2 Zwangsbegutachtungen vom Gericht bestätigt bekomme, dass ich psychisch gestört bin🤬 und daher den Anspruch auf Änderung meiner offiziellen Dokumente auf meinen, inzwischen gewohnten Namen Deana habe.

Schleppend verläuft nach wie vor mein Weg zum neuen Job. Mal sehen ob ich mit meiner neuen Qualifikation demnächst als Food Spezialistin in der Versicherungswirtschaft punkten kann.

Wenn nicht finde ich sicher andere Wege…

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Warten…

… kennt ihr das auch? Ja klar kennt ihr das, wir alle waren mal Kinder und ich stelle mir vor jede und jeder von euch hat mal auf ein Ereignis gewartet. Den Geburtstag oder Weihnachten, gespannt ob das gewünschte, heiß ersehnte Geschenk tatsächlich bald in den Händen gehalten wird.

Zurzeit warte ich wieder, nicht auf ein Geschenk – oder ist es das doch? Nein. Aber das Warten ist so ähnlich, denn es ist ein Wunsch von dem ich hoffe er möge sich erfüllen.

Es ist das Warten auf die Chance all mein Fachwissen aus diversen Branchen, meine Erfahrungen aus den unterschiedlichsten Unternehmen, meine Kreativität und Leidenschaft, die aus meiner Persönlichkeit entspringen, einsetzen zu können um Menschen zu begeistern ihre Arbeit neu zu gestalten und weiter erfolgreich zu sein. Sie zu ermutigen sich Neuem zu öffnen und ihnen zu zeigen, dass eine bunte Kuh wie ich kein Paradiesvogel, sondern einfach nur ich ist. (Ja, den Satz habe ich auch mehrfach gelesen, aber ist am Ende ist richtig – statt bin) 😉

Ich warte auf einen Anruf – ich erwarte dass es weiter geht – ich weiß dass ich sehr gut für die Aufgabe bin. Ich warte darauf das zu beweisen.

… Warten. Kennt ihr das auch?

Töff, töff, töff…und warum Frau es braucht…

Heute habe ich meine 28 Jahre alte Vespa, die seit einigen Jahren trocken aber völlig vergessen in einer Ecke gestanden und zugestaubt ist aus dieser Ecke geholt. Früher bin ich mit der Wespe zur Arbeit gedüst. Mit ihren 12PS schafft sie 100 Sachen.

Es war noch Sprit drin. Also Staub runter gewaschen, Schlüssel rein… den Kickstarter getreten und… töff, töff, töff. Der satte Vespasound. Nicht klein zu kriegen das Röllerken. (sagen manche auch über mich)

Nächste Woche geht es zum TÜV und dann zur Zulassungsstelle. Der goldene Herbst kann kommen.

Das beste ist, dass ich, anders als auf dem anderen Moped, die Vespa auch im Pünktchenkleid fahren kann. Suche jetzt nur noch nach einem hübschen Helmkopftuch. Sonnenbrille hab ich.

Peinlichkeit…

letzte Woche noch habe ich von dem Wunsch einer transsexuellen Frau erzählt mehr von uns wahrnehmen zu können.

Heute bin ich auf einen Menschen gestoßen, der gerne nicht als Transsexueller erkannt werden möchte, denn es sei ihm peinlich trans zu sein.

Das lässt mir keine Ruhe…

Natürlich habe auch ich den Wunsch nicht als transsexuelle Frau, sondern als Frau wahrgenommen zu werden. Nun überlege ich warum ich das so empfinde. Peinlichkeit?

Nein, ich glaube nicht. Peinlichkeit ist das Gefühl das andere kennen sollten. Nämlich die Menschen die uns (und alle die irgendwie anders aussehen) anglotzen, anspucken, beschimpfen, schlagen… . Diejenigen die dem jungen Mann von dem ich oben schreibe das Gefühl geben peinlich zu sein.

Oder sind es andere Menschen mit Transsexualität die diese Peinlichkeit auslösen? Die mit einem schlechten „Passing“ {die Fähigkeit im Wunschgeschlecht unerkannt wahrgenommen zu werden}? Die Schrillen? Die Mauerblümchen? Die Engagierten?… Ich habe auch teilweise Schwierigkeiten die Art und Weise zu akzeptieren in der sich andere transsexuelle Menschen präsentieren. So geht es einigen vielleicht auch, wenn sie auf mich schauen. Aber muss ich mich fremdschämen? Nein, denn ich bin nicht die Anderen.

Leider tendiert unsere Gesellschaft dazu, gerade bei Minderheiten das Verhalten und Auftreten einzelner auf die gesamte Gruppe zu projizieren. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole. Ich werde mich nicht verbiegen um einem Wunschbild der „Community“ oder einem Ideal der „Gesamtbevölkerung“ zu entsprechen.

Meine größte Stärke ist, wie bei allen Menschen, meine Einzigartigkeit. Die darf ich leben…und das mit Wertschätzung und Achtsamkeit für seine Umgebung zu tun ist niemals peinlich. Es ist selbstverständlich.

Freundinnen…

Heute war wieder so ein Tag. Ein Tag wo ich schon früh dachte, dass er mir irgendwie fies auf die Füße fällt. Morgens komme ich an solchen Tagen nicht in den Tritt. Müde steige ich aus der Achterbahn. Die ganzen Gedanken- und Gefühlsloopings der unruhigen Fahrt durch die Nacht fühle ich buchstäblich in den Knochen.

Mittags habe ich einen Termin wegen der Bartepilation auf dem Weg dahin, ein brennendes Fahrzeug – Vollsperrung. Den Termin schaffe ich nicht. Klar, musste ja wieder ausgerechnet mir passieren. Der Termin konnte dann aber doch fast 2 Stunden später stattfinden. Immerhin.

Entsprechend verspätet wieder zuhause. Meine Liebste hatte einen stressigen Arbeitstag – zwei genervte Frauen in einem Haushalt plus Tochter in der Pubertät. Keine gute Kombi. Jede von uns ist heute leicht reizbar.

Wie schön, dass ich dann die Gelegenheit hatte zwei Freundinnen zu treffen – im Biergarten des Frenzen in Mönchengladbach. (kann ich empfehlen/netter Kellner heute Abend / ne nicht so wie ihr meint 🙄) Gute Freundinnen, seit der Schule kennen wir uns, wahre Schätze sind solche Freundinnen. Ernsthaft zuhören, Blödsinn erzählen, ein bisschen frotzeln und sich floppen. Gemeinsam lachen und nachdenklich sein. Jede weiß, dass die Anderen da sind wenn es klemmt und man sie braucht.

Die Mädels wissen, dass sie gemeint sind. Danke für den Abend – danke dass ich eure Freundin bin. 😘😘

Sichtbarkeit…

diese Forderung stellte kürzlich eine Frau aus der transsexuellen „Community“, sie fragte warum sie keine anderen Menschen mit Transsexualität im Alltag auf der Straße sieht. Rein statistisch müsse es welche in ihrer Umgebung geben.

Klar, ich zieh mich demnächst so an, dass alle aufmerksam auf mich werden und auf jeden Fall einen Kerl im Kleid wahrnehmen. Hohe Hacken beim Einkauf im Supermarkt und der Ultramini beim Werkzeugkauf im Baumarkt. – Ist natürlich Quatsch.

Natürlich möchte ich, wie jede Frau als Solche wahrgenommen werden. Freue mich immer wieder wenn ich Signale bekomme, dass mir das schon jetzt, hier und da, gelingt.

Andererseits ist es für transsexuelle Menschen wichtig akzeptiert zu werden. Das ist nur möglich wenn wir als solche erkannt werden. Denn wie soll das sonst funktionieren eine Eigenschaft, die man nicht wahrnimmt, an jemandem akzeptieren?

Zwickmühle.

Was ist also für mich die Konsequenz? – Doch der Mini im Baumarkt 😉

Nein, ich bleibe weiterhin ich selbst. Lasse mich zum Einen nicht von einer „Community“ bedrängen mich auf trans zu reduzieren und versuche nicht für den Rest der Welt das Superweib zu geben um alle Stereotype zu erfüllen.

Ich glaube meine Authentizität ist das Beste und das Notwendige was ich für alle anderen Menschen mit Transsexualität – aber insbesondere für mich und meine Lieben – als Botschaft vermitteln kann.

Ich bin sichtbar.

Zurück und…

die Alm war für mich leider nur eine kurze Episode und so bin ich wieder hier, in meinem Revier😉.

Und da sind sie wieder meine Herausforderungen, denen ich für ein paar Wochen die kalte Schulter zeigen wollte. Kleine, mittlere und große.

Die, die mich am meisten umtreibt ist meine Jobsuche. Inzwischen zähle ich weder die Anzahl von verschickten Bewerbungen, noch die Stunden die ich in Jobportalen und in Xing oder LinkedIn verbringe um eine Tür aufzustoßen.

Habe ich früher erlebt Anrufe zu erhalten und umworben zu werden um eine Chance wahrzunehmen, so erhalte ich heute nicht mal eine Einladung zum Gespräch. Selbst dann, wenn mein Profil und meine Berufserfahrung zu 100% dem Stellenprofil entsprechen. Was läuft da falsch?

Zu alt? Zu teuer? Zu selbstsicher? Zu „bunt“?

Ich wüsste es gerne, nur es sagt mir (selbstverständlich) niemand.

Nun hat mein Leben reichlich Facetten die mich nützlich sein lassen und meinen Tagen Struktur und Inhalt geben. Aber ein guter Job wäre schon klasse.

Wer mich nicht einstellt verpasst was… wer nicht wissen will warum… selber schuld. Ich mache weiter…

Am Samstag geht es los…

… ich fahre um der Hitze zu entgehen abends los Richtung Kärnten. Für die nächsten 6 Wochen findet ihr mich dann auf der Waidegger Alm im Gailtal. Dort werde ich zum ersten Mal Bergkäse selbst herstellen und mit der Sennerin und einem Kollegen die Kühe hüten, Wanderer auf der Alm willkommen heißen und alle anderen anfallenden Arbeiten erledigen.

Ich bin wohl die erste transidente Frau auf dieser und den umliegenden Almen und freue mich auf viele Kontakte zu Menschen, die zum ersten Mal auf jemanden wie mich treffen.

Über die Erfahrungen und Erlebnisse auf der Alm werde ich etwas schreiben. Ob ich das online stellen kann ist nicht sicher, denn auf der Alm haben wir kein Netz ☺️

Ich freue mich auf die Zeit, werde meine Lieben sehr vermissen und hoffe mit viel Energie für einige Herausforderungen im nächsten Jahr zurück zu kommen.

Kennt ihr das auch oder geht es nur mir so,…

… dass bestimmte Ereignisse einen dazu bringen sich zu hinterfragen?

Möglicherweise bin ich mit meiner Veränderung und deren Folgen für mich und meine Lieben besonders kritisch mit mir. Es gibt wieder solche Ereignisse bei uns. Die Schule ist für eines unserer Kinder zu Ende, es geht in die nächste Runde. Die jüngste beginnt mit der Oberstufe. Beim Ältesten läuft es prima im Studium. Ich freue mich sehr darüber, dass die Drei vorankommen, Ziele haben und Themen bearbeiten an denen sie Spaß haben.

Dann sitze ich abends in meinem Sessel und meine Welt wird plötzlich klein und meine Gedanken kreisen ein einziges Ding… MICH.

Noch immer kommt bei mir die Frage hoch die meine Liebste mir vor einiger Zeit gestellt hat:“Wo führt das noch hin?“ Der Kern der Frage ist in dem Sinne wie sie damals gestellt wurde noch aktuell, denn ich bin ja noch ziemlich am Anfang meines Weges.

Aber auch in dem Sinne als eine Art Zwischenbilanz ist die Frage relevant.

Dann fühle ich mich glücklich, denn meine Familie hält zu mir und ich fühle mich schrecklich schuldig, weil ich so eine Egoistin bin und meine Liebste und die Kinder mit diesem Weg belaste.

Viele Abende fahre ich mit dieser Achterbahn und oft geht es mir am Morgen elendig, denn ich habe mich die ganze Nacht krampfhaft festgehalten um nicht aus dem Wagen geschleudert zu werden.

Fahre ich nun den Rest meiner Zeit Achterbahn? Oder schaffen wir es gemeinsam in eine gemütliche Gondel des Riesenrads und genießen die sanften Auf und Abs und das leichte Kribbeln im Bauch bei jeder Runde.

Gute Nacht 🛌

… musste ja so kommen…

…wie es halt so kommt. Jetzt habe ich der Alm meine Kompetenz als eierlegende Wollmilchsau mit dem Hang zum Käse produzieren erfolgreich verkauft und jetzt plötzlich bekomme ich Interviews zu meinen Bewerbungen.

Ok, ein Interview macht noch keinen neuen Job. Aber immerhin mehr als im letzten halben Jahr. Werde nun also meinen ganzen, neu erworbenen, weiblichen Charme in die Waagschale werfen und den Menschen auf der anderen Seite der Entscheidung zeigen wie (in aller Unbescheidenheit sei es gesagt) fantastisch vorteilhaft eine Person mit transsexueller Erfahrung – also ich – auf einer Position sein kann die das Unternehmen nach Außen repräsentiert.

Das Ganze spielt sich wieder in der Branche ab, die mich zuletzt ausgespuckt hat allerdings in anderen Unternehmen mit anderer Kultur. Ich bin vorsichtig optimistisch.

Nun denke ich darüber nach ob es (trotz des unsäglichen TGG) Sinn haben könnte die Vornamens- und Personenstandsänderung anzugehen um meine Chancen zu pushen. So ein Verfahren kann sich ja gerne mal über viele Monate hinziehen. Meine Psych, die ich pflichtgemäß, regelmäßig aufsuche, meint ohne bekäme ich nie einen Job. Ich möchte ihr gerne das Gegenteil beweisen – aus Prinzip. Allerdings wollte ich vor 4 Jahren (auch aus Prinzip) beweisen, dass Transidentität mit Willenskraft spurlos verschwindet…wie das ausgegangen ist wisst ihr ja.