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… musste ja so kommen…

…wie es halt so kommt. Jetzt habe ich der Alm meine Kompetenz als eierlegende Wollmilchsau mit dem Hang zum Käse produzieren erfolgreich verkauft und jetzt plötzlich bekomme ich Interviews zu meinen Bewerbungen.

Ok, ein Interview macht noch keinen neuen Job. Aber immerhin mehr als im letzten halben Jahr. Werde nun also meinen ganzen, neu erworbenen, weiblichen Charme in die Waagschale werfen und den Menschen auf der anderen Seite der Entscheidung zeigen wie (in aller Unbescheidenheit sei es gesagt) fantastisch vorteilhaft eine Person mit transsexueller Erfahrung – also ich – auf einer Position sein kann die das Unternehmen nach Außen repräsentiert.

Das Ganze spielt sich wieder in der Branche ab, die mich zuletzt ausgespuckt hat allerdings in anderen Unternehmen mit anderer Kultur. Ich bin vorsichtig optimistisch.

Nun denke ich darüber nach ob es (trotz des unsäglichen TGG) Sinn haben könnte die Vornamens- und Personenstandsänderung anzugehen um meine Chancen zu pushen. So ein Verfahren kann sich ja gerne mal über viele Monate hinziehen. Meine Psych, die ich pflichtgemäß, regelmäßig aufsuche, meint ohne bekäme ich nie einen Job. Ich möchte ihr gerne das Gegenteil beweisen – aus Prinzip. Allerdings wollte ich vor 4 Jahren (auch aus Prinzip) beweisen, dass Transidentität mit Willenskraft spurlos verschwindet…wie das ausgegangen ist wisst ihr ja.

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Es gibt mich noch… (oder mimimimimi)

obwohl ich ehrlich gesagt in den letzten Monaten arge Zweifel an mir hatte. Die Ursachen für das letzte Tief sind vielschichtig und ich nehme mir jetzt einfach die Freiheit auch mal mimimimimi zu sein :-).

Ich habe alle meine Ziegen und den Hof verkauft. Wir mussten einsehen, dass wir die Erwartungen der unterschiedlichen Behörden, die am Genehmigungsverfahren zu beteiligen sind nicht umzusetzen in der Lage waren. Den Hof zu verkaufen ist mir leicht gefallen, die Zicken abzugeben war für mich  dagegen eine Qual. Damit es so richtig weh tat gingen Sie grüppchenweise statt auf einen Schlag. Ich habe Rotz und Wasser geheult obwohl keine zum Schlachter musste und alle ein gutes Zuhause gefunden haben.

Seit der Entscheidung zum Verkauf des Hofes habe ich meine Bewerbungsaktivitäten intensiviert. Das ist jetzt ein halbes Jahr her. Als Frau mit „männlichen“ Zeugnissen ist das kein leichtes Unterfangen. Fortschrittlich zu sein wird im Allgemeinen als positive Eigenschaft und wünschenswert verkauft – das gilt offenbar beim Alter einer Bewerberin nur sehr bedingt.  So habe ich bei inzwischen ungezählten Bewerbungen noch keinen Job.  (Ende der mimimimimi-Sektion)

Also gut habe ich mir gesagt dann gehe ich neue Wege und habe mich für einen Saisonjob auf einer Alm beworben. Voraussichtlich bin ich nun ab dem 30.07. (Achtung geniale Wortkreation folgt 😉 ) TRANSALP auf einer Alm in Kärnten.

6 Wochen ohne Mobilfunk und ohne Internet  –  und keine Stadtgeräusche.

Ich bin gespannt….

Der Tag ist jung…

Draußen liegt ein bisschen Schnee und mir kommen Gedanken an richtige Winter mit viel Schnee und langen Nächten. Am Ofen sitzen und den Duft von Holzfeuer und eine große Tasse Kaffee. Dann am Morgen die dicke Jacke an und raus. Die Kälte vertreibt die Trägheit. Man will aktiv sein. Den Weg zum Haus freischaufeln, dann den Weg zum Stall. Die Tiere haben sich alle in einer Ecke des Stalles zusammengekuschelt. Schafe und Ziegen in friedlichem miteinander damit keine friert. Man betritt leise den Stall. Zur Begrüßung gibt es das eine oder andere leise Blöken. Die neugierigen und anhänglichen Tiere kommen heran und strecken ihre Nasen nach oben. Sie kennen ihre Menschen.

Bald kommt der Frühling die Lämmer werden geboren und tollen einige Tage später auf der großen Wiese zwischen ihren Müttern herum.

Aus dem Wald kommen ein paar Rehe und grasen auch ein wenig. Manchmal lässt sich ein Elch sehen der in Richtung des Flusses unterwegs ist um sich zu erfrischen. Die Elchkuh hat auch bald ein Kalb.

Frühling in Mittelschweden.

Gedanken an einem jungen Tag am Niederrhein… Frühmorgentraum.

Frau bewirbt sich…

Die Umstände erfordern, dass ich mir eine vernünftige Arbeit suchen will, Vernünftig bedeutet für mich in diesem Fall eine interessante Aufgabe und eine gute Bezahlung. Da ich im Laufe des letzten Jahres immer wieder, wenngleich halbherzig den einen oder anderen Versuchsballon gestartet habe ist der geographische Radius etwas gewachsen. Eine Bewerbung ist nach Hamburg, eine Andere in Richtung München gegangen. Alle anderen irgendwo dazwischen. In der Nähe reicht scheinbar meine Fachkompetenz für die Jobs nicht oder sie ist zu viel oder ich bin zu bunt. 😉

Nun gut. Ich fahre die Offensive und stelle in jedem Anschreiben heraus welche vorteilhaften Eigenschaften damit verbunden sind wenn man eine Mitarbeiterin wie mich, mit dem etwas anders sein, gewinnen kann.

Ich bin gespannt. Zum einen ob meine Strategie zieht, zum anderen ob unser Wohnwagen demnächst in der Nähe von München oder Hamburg steht.

Nach(t)gedanken…

Jetzt ist es schon wieder so spät dabei wollte ich tagsüber was schreiben… Aber so musste ich wenigstens nicht lange nach einer Überschrift suchen.

Es hat bereits kurz nach den ersten Szenen mit meiner Familie angefangen. Mein Smartphone brummte im Minutentakt. SMS, Facebook, Messenger. … brumm, brumm, brumm… .

Fest vorgenommen hatte ich mir das Telefon gestern abend nicht in die Hand zu nehmen.

Brummm, BRUmm, BRUMMM!

JA. …ja okay ich guck dann doch mal.

Da lese ich dann von Menschen die ich nicht kenne, wie toll sie uns als Familie finden, den Zusammenhalt. Aus der Eifel, aus dem Siegerland aus Süddeutschland aus unserer Wahlheimat Kaldenkirchen. Da freuen sich Menschen darüber dass ihr Heimatort tolerant ist und über die Bilder im Fernsehen. Fand ich schön zu lesen.

Andere, die Dirk kannten finden nette Worte der Anerkennung dafür dass ich zu mir selbst gefunden habe. Senden liebe Wünsche für uns.

Einige meiner ältesten und mir sehr am Herzen liegenden Freunde schaffen es, mir Tränen in die Augen zu schreiben. Ich wusste dass ich gute Freunde habe und doch hat mich die Intensität dessen was sie mir in meine Chronik geschrieben haben im positiven Sinne überfahren.

Meine Liebste hat ein ganz tolles Dankeschön von einer Freundin erhalten. Als sie mir das vorgelesen hat war ich nah am Wasser.

Der ganze Zuspruch zeigt mir, dass Sabine, die Kinder und ich eine gute Entscheidung getroffen haben als wir der Doku zustimmten. Wir haben Menschen erreicht und, wie mir ein Nachbar heute sagte, Fragen beantwortet.

Sollten Fragen offen geblieben oder neu aufgekommen sein lade ich herzlich ein mir diese zu stellen. Ich werde im Blog antworten.

Bitte habt keine Angst oder Zweifel zu fragen. Ist mir eine Frage zu intim, dann werde ich das sagen und nicht verärgert sein.

Herzlichen Dank, dass so viele Menschen an dem was ich über meinen Weg teile so wertschätzend interessiert sind macht mir und Anderen Mut.

Fernsehen…

Jetzt, genau jetzt läuft die Doku auf Vox und ich sehe mich im Fernsehen und weiß, dass jeder das sehen kann. Kein Heimvideogefühl, selbst da sehe ich mich nicht gerne. Uaaahh.

Meine Güte wie konnte ich das anziehen. Wie klinge ich denn? Oh weia Bauch einziehen. …

Aber nein. Es geht hier nicht darum besonders hübsch rüberzukommen Wir wollen zeigen, dass Normalität möglich ist. Das heißt eben auch ungeschminkt im Wald zu wandern. Alltagsbilder von uns so wie wir sind.

Die Show sollen andere machen.

Mir ist wichtig dass die Zuschauer sehen, dass ein Mensch mit Transidentiät nicht alle Stereotype erfüllen muss – das kann ich auch gar nicht – und trotzdem kein Freak ist.

Dass nicht alltäglich zu sein, trans* , nicht meine Person ausmacht.

Spannend ist es zu sehen wie unterschiedlich die Menschen ihren Weg gestalten und sich selbst reflektieren. Ich wünsche mir manchmal mehr Respekt innerhalb der „Community“ vor dieser Tatsache und die Erkenntnis, dass es dabei kein richtig oder falsch gibt. Das fällt Einigen schwer die Glauben ihre Wahrheit sei die Einzige.

Ich merke ich bin zu müde um noch vernünftig zu formulieren. Mach jetzt mal Schluss und versuche die Tage in Ruhe nochmal was zu sagen. Auch zum Feedback das bei mir landet.

Was echt klasse ist…

Diesen Blog habe ich gestartet um Menschen zu erreichen und einzuladen sich mit der Situation von Menschen zu beschäftigen,  die sich nicht mit Ihrem zugewiesenen Geschlecht identifizieren können. Seinerzeit für mich das beherrschende Thema meines Alltags. 

Nun ist es keinesfalls so, dass ich mich nicht mehr täglich damit auseinandersetze. Was ich jedoch feststelle ist, daß andere Dinge nun deutlich in den Vordergrund rücken und meine Gedankenwelt sich um Ziegen, Käse, Umbau und ganz wichtig – um alles was meine Lieben beschäftigt dreht. Sprich ich bin im Alltag angekommen. Was echt klasse ist.😉 

Also jetzt erst die Existenz sichern und dann wird durch das Thema der Vornamen und Personenstandsänderung der Focus wieder anders gesetzt. Alles zu seiner Zeit. 

Passing amtlich…

Von Passing spricht man, wenn es gelingt in der gelebten Geschlechterrolle zu überzeugen, wenn also Menschen denen man begegnet einen als die Person wahrnehmen die man ist.😉 

Das mir das recht gut gelingt hat man mir hier und da schon bestätigt. Aber jetzt habe ich das amtlich. 😊

Blöd ist dabei,  dass mich diese „Bestätigung“ Geld kostet – es geht nämlich um eine Knolle wegen zu schnellem fahren. Nun wird sich die Eine oder der Andere fragen was das mit Passing zu tun haben mag. Die Knolle ist anderswo auf der Autobahn entstanden. Die, ich nenn sie mal Bremsprovozierer, machen dabei ein Foto vom Fahrzeug und der Person hinter dem Steuer. Das habe ich per Post bekommen an meinen „amtlichen“ Namen,  verbunden mit der Aufforderung zu benennen wer das Fahrzeug zu dem Zeitpunkt geführt habe. Hab ich gemacht – war ich.

Nun hatte meine Liebste am Sonntag Besuch vom örtlichen Ordnungsamt. Die Herrschaften hatten eine Ausgabe des Fotos mit und meinten, dass der Halter  (männlicher Name) bestätigt habe selbst gefahren zu sein. Meine Holde solle doch aber mal das Foto ansehen. Das wäre doch nicht der Halter da säße doch eine Frau hinter dem Steuer.😂

Also Passing amtlich bestätigt. 😉

Nun ist es doch passiert…

Was hatte ich für grandiose Strategien überlegt. Von durchschlafen bis hin zu einer Reise über die Datumsgrenze im richtigen Moment. Für das Erste war ich nicht müde genug und ein Reiseveranstalter der das perfekte Timing garantiert war nicht zu finden. 

So ist er dann doch passiert – mein 50. Geburtstag. 

Ich nehme meine Geburtstage nicht so wichtig und feiere eigentlich nie groß. So auch diesmal. Einfach zum Lieblingsitaliener mit der Liebsten und den beiden Jüngsten sonst nix.

Am Samstag hatte Sohnemann ein Handballspiel, ich bin mitgefahren, klar. Nach dem Spiel sollte dann Kaffee mit meinen Eltern und unserem Großen stattfinden. Meine Liebste hatte aber anderes im Sinn und hat meinen ältesten Freund aus Kindergartenzeiten und weitere meiner Freunde eingeladen die wir viel zu selten sehen. All diese Menschen waren zum „Kaffee“ da. Ich war platt. Und es war schön. 

Danke.💚 das ihr da wart. Danke mein Schatz für einen tollen Abend.

Herausforderung…

Als ausgebildete Mediatorin biete ich Menschen zwischen denen aus irgendwelchen Gründen Sprachlosigkeit herrscht oder jedes Gespräch in Streit und Geschrei endet an mit meiner Unterstützung einen Weg zu wertschätzendem Umgang zu finden.

Vor einigen Tagen hatte ich eine Mediation mit Menschen, deren Situation meiner Lebenssituation ähnlich ist, die aber ganz anders mit dieser Situation und so auch miteinander umgehen als meine Familie. Ich habe ganz bewusst diese Mediation angenommen, wissend, dass ich auf eine harte Probe gestellt werden würde nicht in eine Beraterrolle zu geraten und die emotionale Distanz zu wahren. Deshalb habe ich eine Kollegin gebeten mit mir gemeinsam zu arbeiten. Vorweg – ohne meine Kollegin wäre die Mediation erheblich schwieriger für mich gewesen, So hatte ich die Möglichkeit in mancher Situation  passiv zu bleiben.

Eine der Parteien berichtete über ihren Weg und ihre Empfindungen – es war für mich wie ein Blick in mein Tagebuch – vieles erkannte ich wieder. Meine Strategien im Umgang mit meiner Familie waren jedoch anders, auch meine Familienaufstellung ist anders. Dennoch die emotionale Achterbahn hatte mindestens so viele Loopings und steile Abfahrten wie die des Medianten und in Ansätzen holte mich das in der Mediation ein.

Die erste Herausforderung war diese Emotionen zuzulassen und sich bewusst zu machen, dann meine Haltung zu überprüfen und meinen Standort als Mediatorin mit mir selbst zu klären. Eine weitere Herausforderung war nicht zum „Erklärbär“ zu werden wenn das Thema „Trans“ in seiner Komplexität scheinbar nicht von der anderen Partei erfasst wurde. Das war bisweilen in den 2 Stunden anstrengend ist aber gelungen. Eine gute und lehrreiche Erfahrung an der ich ein kleines bisschen gewachsen bin und für die ich „Danke“ an alle Beteiligten sage.